Interview mit Weltverbesserer: Oli P.

Interview mit Weltverbesserer: Oli P.


Tadaaaa: Interview mit Oli P. als Auftakt zu einer ganzen Serie. Wir wollen herausfinden, was andere so antreibt, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen! Und haben einfach mal nachgefragt.
Lasst euch inspirieren und wir sind sicher, ihr erfahrt noch so viel mehr über Oli P. und seine Weltsicht.

 

 

 

Was treibt Oli P.?

Wie schön Oli, das wir dich in Ruhe erreichen und ein paar Ansichten austauschen können, lass uns gleich mit der ersten Frage beginnen: Du lebst jetzt schon seit ein paar Monaten vegan – ist alles gut?

Ja, alles super gut. So richtig gestellt hat sich die Frage aber auch vorher nicht, ist ja kein gesundheitliches Risiko oder so. Und vegetarisch lebe ich ja schon eine ganze Weile, und eigentlich hab ich die ganze Zeit geahnt, dass es wahrscheinlich die noch bessere Ernährungsweise ist, komplett auf tierische Produkte zu verzichten.

Auslöser war dann letztlich eine Dokumentation, die ich gesehen hab. Eine Metapher aus der Doku, die mir sehr gut gefallen hat: Das Tier ist ja im Grunde nur ein Zwischenwirt. Meistens isst man Pflanzenfresser, und die haben vorher – genau – PFLANZEN zu sich genommen. Nach der Doku haben wir direkt angefangen komplett auf vegan umzustellen.

Seitdem spüre ich definitiv keinen Energieverlust, gehe täglich laufen, mache Sport, und ehrlich gesagt ich fühle mich eigentlich sogar besser, fitter als vorher. Ob das jetzt an der veganen Ernährung liegt oder am vielen Sport kann ich nicht zu 100% sagen, aber ist mir letztlich auch egal.
Ich vermisse auch nichts, trinke ja zum Beispiel auch keinen Alkohol, und hab nicht das Gefühl, dass mir da was entgeht. Neulich auf einer Veranstaltung meinte jemand bei so einer Art Weinprobe "Das ist doch auch ganz viel Lebensqualität" – da hab ich leicht provokativ gesagt, ein gesunder Körper ist auch Lebensqualität. Ich hab für mich entschieden, keinen Alkohol zu trinken, und auch kein Fleisch zu essen – ich bin da auch nicht dogmatisch. Das ist eine ganz individuelle Entscheidung und es geht mir super gut damit.

 

Hat die vegane Ernährung denn Auswirkungen auf deinen Lifestyle, du bist ja viel unterwegs?

Ich bin ich, lebe mein Leben und esse ja nicht anders nur um ein besonderes Image von mir zu vermitteln oder weil es sich besser auf Instagram posten ließe. Mein veganer, privter Lifestyle wirkt sich nicht auf meine Auftritte oder DJ-Sets aus, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Vielleicht war das in der 80ern noch anders, schwieriger, nachhaltig zu leben, weil man dann gleich der Ökotyp und Körnerfresser war, aber zum Glück ist das mittlerweile nicht mehr so. Die Leute haben verstanden, dass man auf den Planeten achten sollte und natürlich auch auf seinen Körper.
Eins ist mir in den letzten Monaten bewusst geworden: Mein Geist möchte in diesem Körper – der ist ja quasi nur zur Miete – noch ein paar Jahrzehnte Spaß haben. Ich möchte so lang es geht auf den Bühnen dieser Welt herumhüpfen können und meinen Alltag, mein Leben ohne Einschränkungen bestreiten können. Das geht für mich immer über eine gute Ernährung, dass ich weiß wo die Sachen herkommen, dass ich die Sachen selbst frisch zubereite. Aber diesen Lifestyle mache ich für mich, nicht für ein Image.

 

Bist du so auch auf Fair Fashion gekommen?

Das war schon vorher: Meine Frau Pauline beschäftigt sich schon eine Weile damit. Ich selbst folge Marie Nasemann auf Instagram und hab so mitbekommen, was sie über nachhaltige Mode denkt und posted. Mein Einstellung zu Fast Fashion? Ich will jeden Tag in den Spiegel gucken können, will ein reines Gewissen haben, ehrlich mit allen Leuten sein. Da kann ich keinen Scheiß kaufen, man weiß ja unter welchen Umständen Fast Fashion produziert wird. Klar, am Ende ist alles Wirtschaft, alle wollen verdienen – aber unbedingt auf dem Rücken anderer?
Atze Schröder hat es neulich mal auf den Punkt gebracht: Letztlich hat jeder seine ein, zwei Sklaven, die am anderen Ende der Welt für einen arbeiten. Und die Zustände in den Fabriken sind halt mega, mega scheiße.

 

Wir sind es gewohnt, zu viel von allem zu haben.

 

Was denkst du, muss sich verändern?

Wir müssen Industrie radikal umdenken, damit unter besseren Bedingungen produziert werden kann. Und ich glaube auch, wenn das Geld knapp ist, dann ist die Frage, ob ich mein Leben nachhaltiger lebe, vielleicht nicht die wichtigste Frage. Auf der anderen Seite, vielleicht sind wir es auch nur gewohnt, zu viel von allem zu haben.
Ich hab mal vor ein paar Jahren einen ganz alten Kleiderschrank gekauft, da gab es nur drei Kleiderhaken! Und wir? Kaufen immer mehr Mode, immer mehr Schuhe.

Ich glaube es müsste ein Fach in der Schule geben, wo Dinge behandelt werden wie: Was braucht denn mein Körper eigentlich zu essen und wo bekomm ich das her, wie bereite ich das zu – ohne, dass die Erde dabei kaputt geht. Und das kannst du dann auch auf die Mode adaptieren. Wie viel Klamotten brauch ich wirklich, wie viel Liter Wasser gehen drauf, wenn eine Jeans hergestellt wird. Hier gibt es viel Halb-Wissen, und viele sind gar nicht informiert.
Ja, ich kann verstehen, dass nachhaltige Mode im Moment für viele Menschen nicht erschwinglich ist, wobei es wie schon gesagt auch eine Frage ist, wie viel brauch ich eigentlich. Und es gibt ja auch Fair Trade Marken die preislich OK sind. Man muss sich halt damit beschäftigen. Energie dafür haben. Die Einflüsse sind aber auch stärker geworden, durch Werbung, TV oder die ganzen Influencer. Ich selbst lese aber auch sehr viel. Es gibt ja Online Plattformen, auf der nachhaltige Brands eingetragen sind. Und euch hab ich ja über meine Frau kennen gelernt.

 

Ah, und wie sieht es jetzt in deinem Kleiderschrank aus?

Ich hab seit fast einem Jahr keine einzige Fast Fashion Klamotte oder Schuhe gekauft. Hier in Köln geh ich immer zu Fair Fitters, da kannst du ruhigen Gewissens einkaufen. Mein Kleiderschrank ist tatsächlich recht voll, allein durch meine vielen Auftritte brauch immer saubere, neue Klamotten und frische Schuhe. Na, gerade weil ich weiß, dass ich sehr viel verbrauche, schau ich, dass das dann halt fair ist.

 

Oli P. mit Laced Sneaker #boi

 

Wir bei NINE TO FIVE sind ein bisschen stolz darauf, fair und sozial in Portugal zu produzieren. Achtest du auf sowas?

Dass ihr fair in Europa produziert find ich ziemlich klasse. Ich frag mich trotzdem, kann man das irgendwann auch in Deutschland hinbekommen? Um durch kürzere Transportwege noch nachhaltiger zu sein? Was braucht es dafür, damit das "bezahlbar" ist, dass es ein Preis ist, mit dem alle was anfangen können? Muss es da Subventionen geben? Ein Umdenken in der Gesellschaft, was Preise betrift?
Ein super interessantes Thema finde ich! Da will ich mich noch viel mehr mit beschäftigen und reinlesen. Aber auch Tierschutz, Ernährung, Nachhaltigkeit, Mode – alles super wichtig und eigentlich doch so banal: Essen und was zum Anziehen brauchen schon mal alle, und genau diese Punkte richten so viel Schaden an, das ist echt schade!

 

Ab diesem Jahr gibt's bei uns auch Textilien und immer mehr vegane Styles, auch aus recyceltem Plastikmüll aus dem Meer. Für dich als Veganer doch sicher ein Thema, oder?

Unbedingt! Es gibt super Kunstleder und vegane Schuhe aus recycelten Materialien. Die kaufe ich schon ewig bei Eco Alf, bei den Spaniern. Ich glaube, den Leuten ist das doch egal: Es soll ein Material sein, das gut hält und ein Style sein, der gefällt. Das finde ich ja bei euch so cool: Du kaufst was ein, was keinen Schaden anrichtet und kannst es tragen, weil du es schön findest.

 

Oh, danke für die Blumen, wir tun unser Bestes und sag kurz, welche Veränderungen stehen bei dir noch an?

Ich werd nach und nach meine Kleiderschränke ausmisten und auf komplett nachhaltig umstellen. Wie gesagt, ich hab so unfassbar viele Klamotten, auch viele nostalgische, aus meiner Kindheit, die will ich behalten. Aber alles was Casual, Alltag ist, werde ich nach und nach weggeben und austauschen. Und dann nur nachkaufen, wenn ich sicher bin, das ich davon definitiv drei Paar brauche.
Mein Ziel ist ein zu 100% nachhaltiger Kleiderschrank, mit Anziehsachen, die keinem Menschen und auch der Natur möglichst wenig geschadet haben. Den Weg will ich weiter gehen! Vielleicht steckt hier auch was Berufliches drin, mit Leuten aus dem Bereich kooperieren, und immer weiter drüber reden, damit das Thema Nachhaltigkeit noch größer wird!

 

 

Das Interview haben wir kurz vor Weihnachten 2019 via Sprachnachricht geführt – und sind mega happy, mit Oli einen so unglaublich motivierten Mitstreiter gefunden zu haben! ... btw, die Bilder sind vom wunderbaren @kevinlauderleinphotography und herzlichen Dank dafür!

 

 

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